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Die Netzwerke der Big-Tech

Ende des 20. Jahrhunderts hatten wir ein bisschen Hoffnung, dass Medien, Veröffentlichungen und Kommunikation durch das World Wide Web WWW1 demokratisiert werden könnten. Der Einfluss der Investigativ- und Bürgerjournalist.inn.en, Wissenschaftler.inn.en, Aktivist.inn.en, NGOs und Hochschulen auf die WWW-Inhalte geht jedoch immer mehr zurück. Wie auch beim Klima, so schließt sich das Fenster für den Kampf um die Hegemonie über die Inhalte unserer Köpfe und, übertragen, über die Bäuche und Herzen, immer mehr, denn auch dies ist Klassenkampf.

Das liegt auch am Aufkommen der sog. Sozialen Netzwerke – Gesellige Netzwerke wäre eine bessere Übersetzung für Social Networks. Twitter, Facebook, Instagram, YouTube usw. sind kommerziell ausgerichtet, sammeln Daten, binden ihre User an ihre Unternehmen, machen Medienherausgeber abhängig, bilden Monopole oder Oligopole, binden User an unfreie Software2, stellen ihre Haus-Richtlinien über die Gesetze, bringen Webseitenanbieter dazu, ihre Tracking-Pixel und ‑Cookies in ihren Seiten unterzubringen, um so auch ihre Nicht-User auszuspähen.3

Das Kritischste an den Asozialen Netzwerke, wie ich sie nenne, sind jedoch ihre Algorithmen. Viele Klicks auf Beiträge bedeuten erfolgreiche Werbung und gut gefüllte Userprofile. Viele Klicks werden erreicht durch emotionalisierende Beiträge: Angst, Hass, Wut stehen ganz vorn. Der oft beklagte rauere Ton in den »Sozialen Medien« ist hergestellt, von den Netzwerkbetreibern selbst. Als z.B. Twitter-User folge ich bestimmten Usern und damit ihren Inhalten, abonniere bestimmte Tags / Stichwörter, erzeuge so eine Filter-Blase. Twitters Algorithmus spült mir von Anfang an bestimmte User und Inhalte in meine »Timeline«. Der Blaseneffekt wird noch verstärkt und weiter gelenkt durch die oben beschriebene Konzentration auf emotionalisierende Inhalte. Ausgewogene, nachdenkliche, detailreiche, gut recherchierte, differenzierte Beiträge finden keine Verbreitung. Kommunikation wird so auch nicht gefördert, im Gegenteil. Jedenfalls, wenn Daumen-rauf oder Daumen-runter und beleidigende, erniedrigende Kommentare nicht als Kommunikation gelten.

Gegenentwürfe

Einige Standards treten an, vieles anders und demokratischer, menschenrechts- und kulturfreundlicher zu machen als die Big Tech: Mastodon, Pleroma, Pixelfed, PeerTube, Friendica, ActivityHub und weitere. Der Oberbegriff ist: Fediverse / Fediversum, ein Kunstwort aus Fedi (für federated / föderiert) und Universe, Universum.4

Mastodon und Pleroma sind Microblogging-Standards (Twitter ist das aktuell erfolgreichste kommerzielle Microblogging-Angebot), PeerTube ist ein Videonetzwerk-Standard (Prinzip YouTube, Vimeo u.a.), mit Pixelfed lassen sich Bilder teilen (Prinzip Instagram), in Friendica stehen Personen-Netzwerke im Vordergrund (das Prinzip ist immer noch am prominentesten in Facebook verwirklicht). ActivityHub ist kein Dienst, sondern der Standard, der viele dieser Lösungen miteinander verbindet. Ich bin nicht nur nicht an einen Anbieter gebunden, es können z.B. ein.e Pixelfed-User.in und ein Mastodon-Account Kommentare austauschen, einander folgen usw.

Die wichtigsten Lehren, die aus dem Social-Media-Desaster gezogen wurden und im Fediverse beantwortet werden (viel besser, aber nicht perfekt):

Dezentral / föderiert

Es gibt nicht z.B. einen Mastodon-Server, sondern viele davon. Jedes hat die freie Wahl, was erstmal verwirrend erscheint, aber oft lokalen Bezug zwischen Betreiber und User herstellt und Machtkonzentration vorbeugt. Trotzdem können alle Mastodon-User miteinander und mit dem größten Teil des restlichen Fediverse reden. Die von NGOs, Vereinen, Privatpersonen, Unternehmen und Behörden betriebenen Installationen heißen Instanzen. Ich kann (fast) verlustfrei zwischen den Instanzen umziehen.

Open source

Ich habe oben vereinfachend »Standard« geschrieben, um Fediverse-Software von den kommerziell bindenden Lösungen der Big Tech abzugrenzen. Die Server-Software der jeweiligen Dienste ist quelloffene Software. Sie halten sich größtenteils an den ActivityHub-Standard, wodurch sie miteinander reden können. Sie können mit dem vom Dienst angebotenen Browser-Client genutzt werden (d.h., ich kann eine Seite im Firefox / Chromium / Edge / Safari / was immer öffnen, mich dort anmelden und den Dienst steuern und nutzen), es gibt aber auch installierbare Client-Anwendungen für PCs und Mobilgeräte. Quelloffen bedeutet, dass die für Entwickler lesbaren Quellprogramme der Server-Software und der Clients im Netz veröffentlicht sind. Versierte User und Profis können die selbst kompilieren, also, in ausführbare Programme übersetzen. Vor allem aber sind diese Quellcodes offen für unabhängige Überprüfungen / Audits. Es ist deshalb äußerst selten, dass in quelloffenen Programmen absichtlich Datenableitungen, unerwünschte Kommunikation mit anderen Servern, Hintertüren, Telemetrie, Werbung und Belästigungen eingebaut werden.

Freie Software / offene Lizenz

Meist stehen derartige freie Softwareprojekte unter offenen Lizenzen, sie dürfen beliebig verteilt, verwendet, geändert, installiert werden. Bedingung ist in der Regel, dass sich dabei die Lizenz nicht ändert. Oft müssen die Entwickler.inn.en genannt und die eigenen Änderungen benannt werden. Das Einpflegen dazu geeigneter Änderungen in den Quellcode des Projekts über dafür vorgesehene Prozesse ist ausdrücklich erwünscht. Den Entwicklern oder Unternehmen, die Entwickler beschäftigen oder Anwendungen aufkaufen und anbieten, sind keine Lizenzgebühren zu zahlen. Lizenzgebühren für die Nutzung der Software würden z.B. nicht-kommerzielle Diensteanbieter benachteiligen, die schon ihre Serverräume, Hardware und Administration z.B. über Mitgliedsgebühren finanzieren müssen, die aber ja die primäre Zielgruppe sind. Deshalb bedeutet Offenheit der Lizenz und des Quellcodes und freie Software meistens, dass sie auch kostenfrei nutzbar ist. Softwarelizenzen und ‑patente machen Software zu einem Spekulationsobjekt, dagegen opponieren FLOSS5-Entwickler und ‑Aktivist.inn.en.

Es ist nicht verboten, für Dienstleistung um freie Software Geld zu nehmen. Freie Software (auch Fediverse) für Unternehmen, NGOs und Behörden zu betreiben, individuell anzupassen (zu customizen) und / oder zu administrieren ist ein Geschäftsmodell mancher Unternehmen oder Genossenschaften. Auch beteiligen manche Instanzenbetreiber im Fediverse ihre User über Gebühren und / oder Mitgliedsbeiträge an ihren Infrastrukturkosten, zusätzlich zu Spenden. Das widerspricht dem freien Softwaregedanken natürlich nicht.

Inhalte gehören der Urheber.in. Punkt.

Qualität, Resonanz, Vergleich

Die dezentrale und oft engagierte, sich demokratischen Gedanken verpflichtende Moderation bedeutet in der Regel, dass Betreiber und User sich einander nicht so leicht entziehen können. Konflikte können tatsächlich gelöst werden und können im Zweifelsfall auch von örtlichen Gerichten geklärt werden. Das verändert den Ton und hebt die Qualität der Beiträge.

Der Konflikt zwischen dem klassischen, eher professionellen, zunehmend kommerzialisierten und oligopolisierten Journalismus und dem neueren amateurhaften oder marginalisierten, oft unzureichend finanzierten Bürgerjournalismus und politischen Aktivismus besteht im Fediverse genauso wie außerhalb. Auf Grund ihres Selbstverständnisses versuchen manche Instanzenbetreiber und ‑Moderator.inn.en jedoch, ein wenig Medienerziehung nachzuholen und den Umgang mit Nachrichten, Meinung, Fake News, Recherche zu leben und auch ihren Usern zu vermitteln. Eine kritische, aufgeklärte Leserschaft / Medienpublikum ist jeder Veröffentlichung zu wünschen.

Unterhaltung darf natürlich auch sein, viele Instanzen verbieten jedoch z.B. Produktwerbung.

Wer Twitter und Mastodon, Facebook und Friendica, Instagram und Pixelfed direkt miteinander vergleicht, geht die Sache falsch an. Den Fehler machen viele in den klassischen Medien, auch Böhmermann, Zündfunk usw. Die treibenden Algorithmen fehlen im Fediverse ja mit voller Absicht. Natürlich ist das Usererlebnis ein Anderes, wenn ich erstmal eine leere Timeline habe und mir ein Netz und meinen individuell gefilterten Eingang selbst aufbauen darf und muss. Viele Follower.inn.en, viele Gefolgte, viele Likes und viele Weiterleitungen (Boosts) sind im Fediverse nicht so sehr das Ziel, hier geht es mehr um Qualität als Quantität.

Medienautor.inn.en vermissen oft die Reichweite, die sie sich in Twitter und Co. aufgebaut haben. Das gilt durchaus auch für kritische Medien, NGOs und Aktivist.inn.en. Wir ermutigen diese dazu, beide Welten zu bespielen. Es gibt auch Clientprogramme, die das Veröffentlichen auf mehreren Plattformen in beiden Welten unter einem Knopfdruck vereinigen. Wer allerdings überwiegend oder ausschließlich auf Kommentare und Interaktion in der kommerziellen Welt reagiert, der nimmt das Fediverse nicht ernst oder hat nicht die Kapazitäten, zu helfen, das Fediverse relevanter zu machen.

Angriffe von innen

Freie Software kann auch von Kapital und Rechten genutzt werden. Da die hier aber nicht die Treiber sind, hat die Moderation in der Regel kein Problem damit, auffällige Accounts oder ganze auffällige Instanzen für ihre Instanz zu sperren. Die Moderator.inn.en der »demokratischen Instanzen« tauschen sich aus, so dass es schwer ist für Faschist.inn.en oder Lobbyist.inn.en, Fuß zu fassen.

Die das als Zensur empfinden, die können sich allem aussetzen, was das Fediverse zu bieten hat, indem sie sich Instanzen mit ausdrücklich offenerer Agenda suchen, oder selbst eine Instanz aufsetzen.

Jeder Account kann andere Accounts blocken, und auch ganze Instanzen für sich ausfiltern. Gesundheitsgefährdung ist erschwert.

Inhalte, die andere verschrecken oder deren Erscheinen am Bildschirm sie in ihrem aktuellen Umfeld kompromittieren könnten (politisch, apokalyptisch, Horror, Sex, Gewalt, ...), können mit Inhaltswarnung versehen werden, wodurch sie in der Standardeinstellung erst auf gezielten Knopfdruck nach Kenntnisnahme des Warngrundes sichtbar werden. Auch das dient der Gesundheit und dem Schutz vor gezielter Kompromittierung.

Die Sichtbarkeit von Beiträgen kann jedenfalls in Mastodon in Stufen eingeschränkt werden. Statt im Fediverse und WWW insgesamt und gelistet können Beiträge auch nicht gelistet, nur für die eigenen Follower sichtbar, oder nur für erwähnte Accounts sichtbar sein. (Da die Nachrichten nicht verschlüsselt sind, ist die letzte Option nicht mit Messenger-Unterhaltungen zu verwechseln.)

Beiträge können gelöscht werden.

Ausblick

Das Fediverse ist ein hoffnungsvolles Experiment. Im Fediverse findet viel demokratische und »linke« Gegenöffentlichkeit, widerständige und aufklärerische Kultur und Information, politische Opposition und politisches Organizing statt. Das IT-technische und organisatorische Fundament macht aus aktueller Sicht eine kommerzielle und / oder politisch-autoritäre Übernahme oder Durchdringung schwer.

Der virtuelle Kontakt zu anderen Menschen und Menschengruppen ist in aller Regel positiver und verbindlicher als im kommerziellen WWW.

Fußnoten

1Das WWW ist nicht das ganze Internet. Das Mailsystem, Messenger, das sog. Darknet (anonymisiertes Netz innerhalb des WWWW) sind nur einige Beispiele, dass das WWW nicht alles ist. Das Internet ist außerdem nicht der einzige denkbare Verbund von Netzwerken.

2Unfreie Software ist zentralisiert, hält ihren Quellcode unter Verschluss, entzieht sich unabhängigen Überprüfungen, kostet Lizenzgebühren, bindet ihre Nutzer.inn.en an ein Unternehmen oder einen Konzern, sind vom Betreiber zentral bereitgestellte fertige Friss-oder-stirb-Lösungen, ein sog. Walled Garden.

3https://privacy-handbuch.de/, https://digitalcourage.de/google-facebook-co, https://www.kuketz-blog.de/?s=soziale+medien

4https://fediverse.party/, https://digitalcourage.de/blog/2018/kommt-mit-uns-ins-fediverse, https://www.kuketz-blog.de/?s=fediverse

5FLOSS: Free, Libre and Open Source Software

Ich gehe gerade mit Kind 2 aus der Tür für Besorgungen, da kommt der per Brief angekündigte »Besuch« der Berufsneugierigen.

5 min später klingelt das Telefon, meine Frau: Wie viele Computer hast du? Betreibst du einen Server? Betreibst du eine Cloud? Hast du schon mal gehackt? Wann warst du zuletzt im Darknet?

Mmh, ich gestehe, ich war blöd. Es war natürlich Fake, meine Frau hat mich hochgenommen. Zu meiner Verteidigung: Nach einem chaotischen, hektischen Arbeitstag funktioniert mein Hirn nicht mehr so gut.

Aber dann hab ich nochmal nachgedacht: Ist das »natürlich« Fake? Bei Leuten, die sich nichts bei Chatkontrolle, Uploadfiltern, Vorratsdatenspeicherung, Personal-IDs, Arbeiter.inn.enüberwachung, Ausleiten von allem Unverschlüsselten, Kameraüberwachung im öffentlichen Raum, Überwachung des Grundwassers auf Viren, Microsoft und Apple für Schüler.inn.endaten, ... denken, wie weit ist wirklich weg, dass diese Daten interessieren? Wahrscheinlich längst in Dossiers stehen, neben: Interessiert sich für Verschlüsselung, ist Sozialist, ...

Das Unrealistische war nicht der Inhalt der Fragen, sondern, dass sie so offen gefragt werden.

TV-Tipp: TV-Serie Continuum https://www.imdb.com/title/tt1954347/

Viele, auch viele Datenschutz-Nerds, geben das Narrativ wieder, es müsse schneller vorangehen mit der Digitalisierung.

"How Does Digital Technology Affect You?" by schopie1 is licensed under CC BY-SA 2.0

Tempo bei der Digitalisierung klingt gut. Wir lästern über die Faxgeräte in den Behörden, dabei gehen die mit etwas Glück über Ende-zu-Ende-verschlüsselte IP-Telefonleitungen. Im Gegensatz zum überwiegenden Anteil der Mails. Zu Corona-Hochphasen hätten wir uns leistungsfähigere Hard- und Software für Homeoffice der Lohnabhängigen, Schüler.inn.en und Lehrer.inn.en gewünscht. (Nicht falsch verstehen: Für mich ist eigentlich immer noch Corona-Hochphase. Aber das ist ein anderes Thema.)

Aber jetzt mal ernsthaft: Sind wir so weit? Jedes neue Medium verlangt eine kulturelle Anpassungs- und Aneignungsleistung von uns Menschen als Gesellschaften bzw. Gruppen. Jeder neue Träger von Information und Unterhaltung war zunächst elitär und wurde zur Überwachung, Ausgrenzung, zur effektiveren Machtausübung und Propaganda und zum effektiveren Handel eingesetzt. Heutzutage sind wir weitgehend alphabetisiert, Bücher sind Massenmedien. Aber ernsthaft drüber nachgedacht: Können wir vernetzte Computer lesen, wie wir Bücher, Zeitschriften und Zeitungen zu lesen gelernt haben?

Ja,sehr viele Menschen fordern, dass die Menschenrechte bei der IT-Nutzung eingehalten werden, vor allem da, wo wir zur IT-Nutzung gezwungen sind. Aber das Machtgefälle vergrößert sich immer mehr. Die Computernetze werden immer effektivere Werkzeuge für die Ausbeutung, Überwachung und Machtausübung. Öffentliche Infrastruktur wird immer angreifbarer. Autos und Büros sind verwanzt. Unser Leben wird auf die IT ausgerichtet, ohne Diskussion, oder besser: schneller als die Diskussion darüber, wie stark und in welche Richtung, unter welchen Rahmenbedingungen wir das wollen. Um hier auf Augenhöhe zu diskutieren, eigentlich, den Machtkampf aufzunehmen, bräuchten wir viel mehr Zeit.

Ein ernsthaft demokratischer Staat würde sich an der digitalen Alphabetisierung beteiligen, würde Medienkompetenz in Lehrpläne von allgemeinbildenden, Hoch- und Volkshochschulen aufnehmen in einer Art, die das Lernziel Medienkompetenz auch erreichen lässt. Leider ist es weitgehend Ehrenamt und NGOs überlassen, sowohl technisches Grundwissen als auch, und das besonders, Wissen über den sicheren, emanzipierten Gebrauch der Netze und Geräte zu vermitteln. Dafür werden wir noch angefeindet, behindert, in extremistische Ecken gestellt. Sicherheit und Datenschutz seien nur ernsthaft zu haben als Produktbestandteil kommerzieller Produkte, wird suggeriert. Gerade die gestern wieder vergebenen Big Brother Awards belegen jedes Jahr an eindrücklichen, gut ausgewählten Beispielen, dass mit diesem Vorgehen der Bock zum Gärtner gemacht wird.

Es läuft also auf einen Machtkampf hinaus. Behalten wir gesellschaftlichen Einfluss auf Computernetze, nutzen wir sie zum menschenrechts- und menschengerechten Informationsaustausch, zur klimagerechten Energiesteuerung, zur sicheren Rationalisierung, zum kulturellen, grenzenlosen Austausch? Oder müssen wir uns bald in der Arztpraxis mit einem hochgebührenpflichtigen Microsoft-Konto über die Krankenversicherungskarte als Token anmelden?

Für solche Kämpfe brauchen wir Zeit, weil wir der geballten strukturellen Macht nur eines entgegensetzen können: Masse. Wir können nur mit den Füßen effektiv abstimmen. Effektiv meint hier, mit nennenswerter Wirkung. Wohlfeiles Reden hilft nicht, und dass wir turnusmäßig an Urnen unsere Stimme beisetzen, äh, abgeben, hat angesichts der starken Strukturen und Lobbys auch nicht allzu viel Wirkung. Und solches Organizing im Ehrenamt, neben Job, Familie und einfach mal Leben, das dauert.

Aber selbst, wenn wir das friedlich und demokratisch aushandeln würden, es ist nicht leicht, den richtigen Weg mit neuen Medien zu finden und dann auch umzusetzen. Zumal die aktuelle digitale Revolution eine sehr umfassende ist. Wir Menschen sind evolutionär für IT noch gar nicht bereit. Unsere Psyche und Physis kann damit noch gar nicht umgehen.

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“Peace!” by aldrin_muya is marked with CC BY 2.0. To view the terms, visit https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/?ref=openverse

Putins Krieg ist ein Krieg, ein ethischer und politischer Rückschritt und durch nichts zu rechtfertigen.

Die globalisierte, koloniale Politik der reichen Länder hat materielle Verwerfungen, extreme Weltanschauungen und Diktaturen / autoritäre Regime begünstigt.

Putins Krieg bleibt ein Krieg, ein ethischer und politischer Rückschritt und durch nichts zu rechtfertigen.

Auch ein Krieg rechtfertigt keine pekuniäre und politisch-kulturelle Militarisierung unserer demokratischen Gesellschaft und Wirtschaft. Wir verstehen die Logik des Kapitals, die zu ihrem politischen Handeln führt, aber billigen und unterstützen sie in keiner Weise. Keine Heimatfront in Europa / Deutschland.

Hilfe für Geflüchtete aller von Krieg, Armut und Klimakatastrophen betroffenen Menschen ist / sollte selbstverständlich sein. Selbstverständlich auch für ukrainische, russische, syrische, eben alle Migrant.inn.en und Geflüchtete.

Die Energiepolitik des Kapitals hat uns erst in die abhängige Situation geführt, dass wir diesen Krieg nicht ernsthaft mit wirksamen Embargos austrocknen können. Die Regierenden haben immer wieder alle Warnungen in den Wind geschlagen und die Erneuerbaren nicht stark werden lassen, das wäre zu Ungunsten der fossilen Platzhirsche gewesen.

Ob uns die Lage wirklich zwingt, noch ein bisschen mit Kohle, Fracking-Gas und Atomkraft weiterzuspielen? Vor Pandemie und Militarisierung auch der Medien wurde gelegentlich auch in den etablierten kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Medien von unterschiedlicher interessegeleiteter Rechnung des Bedarfs und seiner Deckung gesprochen. Auch muss der absurd hohe Verbrauch von Industrie und Verkehr und in geringerem Maß der privaten Haushalte in den reichen Ländern auf dem Prüfstand bleiben. Die Ablenkung von der Wahrheitssuche auch beim Klimathema durch Kriege und Pandemien verfängt bei uns nicht.

Vielmehr sehen wir den inneren Zusammenhang der globalen Krisen. Wer sich über Krieg Gedanken macht, kommt um die Themen Klima, Klimapolitik, Geflüchtete, Pandemie, Kolonialismus (syn. Neokolonialismus, Globalisierung), Greenwashing und Whitewashing, Geschäfte mit Waffen und Krieg, Informationskrieg, digitale Sicherheit und Souveränität, ... nicht herum.

Der Krieg ist fossil in jeder Bedeutung des Wortes. Das gilt auch für die Opfer des Krieges. Es ist nicht automatisch alles richtig, was Opfer sagen und tun. Diese Feststellung schmälert unsere Verurteilung Putins als Aggressor in keiner Weise. Putins Krieg bleibt ein Krieg, ein ethischer und politischer Rückschritt und durch nichts zu rechtfertigen.