freielinkeanarchisten

ein Meinungsbeitrag zur Programmdebatte von Dirkson

(der Text ist im Juni/Juli 2026 im Rahmen des internen Austausch entstanden und wird hier zum Zwecke der Dokumentation hinterlegt)

Die Freie Linke (FL) war ein Gegenentwurf aber war sie es nur während des Corona-Maßnahmenstaats und was wird nun aus dieser Idee von der Möglichkeit einer Zusammenkunft und Sammlung von freien Linken (eigentlich gehört hier das Frei groß geschrieben)?

Ich erspare es mir hier ein Narrativ zu konstruieren was die wahre Geschichte der Freien Linken gewesen sein soll. Es sei nur erwähnt, ich war so ziemlich von Anfang an dabei, jedenfalls nach meiner Einschätzung, also im Zeitraum der Formulierung des Aufrufs der Freien Linken ( https://wordsmith.social/freielinkeanarchisten/aufruf-der-freien-linken ) durch welchen sie sich zu konstituieren suchte und dessen Lektüre ich jedem Interessierten anrate. Und auch wenn ich Anlass dazu habe anzunehmen, dass meine Erlebnisse es mir ermöglichen ein realistisches Bild der Entwicklung in der FL zu zeichnen, nehme ich ebenfalls an, dass es andere Perspektiven auf die Ereignisse geben könnte. Viele der damaligen Mitstreiter und Aktiven sind heute nicht mehr dabei, Zersetzungen durch Spaltungsbestrebungen waren immer schon ein Thema, was dazu geführt hat, dass sich einige im Laufe der Zeit enttäuscht abwandten. Die Freie Linke war immer auch eine Gruppe von linken Quer- und Selbstdenkern, Menschen die vielfach, ob bewusst oder nicht, nicht in die schablonenhaften Angebote vorhandener gesellschaftlicher Organisation passten. Diese Unangepassten hatten und haben natürlich reichlich Widersprüche im Gepäck, und es sind liebgewonnene prägende Stücke die sie da tragen. Nun haben Menschen eigentlich immer das Verlangen das sie belastende mit anderen tragen zu wollen, der eine mehr der andere weniger, und dabei ist der eigene Rücksack auch oft der schwerste, das eigene Kreuz soll also von allen oder möglichst vielen getragen werden und die, welche glauben um die Erlösungskraft ihres Kreuzes zu wissen, wollen natürlich aus Sorge um ihre Erlösungsvorstellung auch die ganze Veranstaltung kontrollieren. Man verzeihe mir die kleine religiöse Metapher aber es gibt eben auch säkulare Jesuiten und in der linken Szene hat dies wie es scheint krankhafte Züge angenommen, was dazu führt, dass sich immer mehr von ihr abwenden und es zu regelrechter Sektenbildung in einer Vielzahl von Kleinstgruppen kam deren Anhänger im Orbit der jeweiligen ideologischen Interpretation ihrer Führergestalten kreisen. Eine Entwicklung die man in der linken Szene überall findet aber auch die FL immer mehr heimsucht.

Soviel von mir zur Geschichte, nun was soll aus ihr werden der großgeschriebenen Freien Linken? Und wo sind und bleiben die freien Linken, die hier zumindest eine Aussicht auf Gemeinschaft fanden, die einige ja auch im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten nutzten.

Da gibt es nun Vorstöße in besagte Schwäche hinein, man kann nicht das Kleine drum muss es das Große nun sein, Arbeiterpartei zur Machtergreifung durch Revolution. Natürlich nur „korrekt kritisch“, was sonst. Frei sein, keine Rede mehr von solchen Menschleinträumen, richtige Marxisten sollen sie nun alle sein.

Ihr seht schon ich ertrage derart plattes was hier Form annehmen will nur mit Ironie. Marxistischer Plattformismus? Und das unter Quer- und Selbstdenkern, na da werden wohl nur die mitgehen, die ohnehin den selben Stern anbeten. Plattformismus kennt man übrigens auch in der anarchistischen Szene, eine kleine Internetrecherche auf https://www.anarchismus.de/stroemungen/plattformismus brachte folgende Eckpunkte:

-Plattformistische Organisationen teilen folgende Werte: Einheit der Ideologie (anarchokommunistisch), einheitliche Taktik und kollektives Handeln, kollektive Verantwortung, Föderalismus und haben ein hohes Maß an formeller Grundlage in der Organisierung.

-Der Plattformismus ist der Versuch einer Lehre aus den historischen Niederlagen der Bewegung (speziell der russischen Revolution) – der Plattformismus geht davon aus, dass ein wichtiger Grund dafür die fehlende Organisation war.

-Der Plattformismus stellt die Disziplin der Aktiven in den Vordergrund, sich an Vereinbarungen zu halten und diese zuverlässig zu erfüllen.

-Der Plattformismus war und ist stark an den Klassenkämpfen orientiert und legt damit häufig einen Schwerpunkt auf Gewerkschaftsarbeit.

-Formuliert eine klare Absage an individualistische Tendenzen im Anarchismus und grenzte sich bewusst von dem Bolschewismus ab.

Ursprünglich entstanden aus Erfahrungen der Niederlage im Kampf der bäuerlichen Aufständischen um Nestor Machno gegen den Bolschewismus.

Nun, wir sehen gleich Überschneidungen zum marxistischen Entwurf von Hanns und Bernd, auch in den Widersprüchen. Das Feindbild ist hier natürlich nicht der Leninismus (was wirklich sehr bedauerlich ist) sondern der Stalinismus (um den es nicht schade ist und der auch nur eine Spielart des Leninismus war, was auch für den Trotzkismus gilt), aber so hat eben jeder seine Bewertungen der Niederlagen seines Gestirns. Die Gegensätze zwischen Individuum und Kollektiv will man auch hier nicht versöhnen sondern durch Disziplin, also Macht und somit im Endeffekt durch Gewalt, ausschalten. Es gibt Anarchisten, die den anarchistischen Plattformismus als „Leninismus ohne Lenin“ beschreiben aber bei den Anarchokommunisten steht wenigstens was von Föderalismus drin.

Wie wir sehen haben Kommunisten eine Tendenz zum Plattformismus, den man auch als Vorstufe einer Partei ansehen kann, aber auch ne Menge Probleme sich friedlich zu einigen. Es sind die Kopfgeburten (top down) von ideologischen Führern nach Niederlagen. Mir persönlich kommt in all diesen Konzeptionen das Thema Selbstbestimmung zu kurz oder fehlt gar ganz, was auch nicht verwunderlich ist den es sind letztlich militärische Konstrukte die immer auf einen hierarchischen Aufbau hinauslaufen.

Und nun komme ich zur Programmdebatte um die Freien Linken zurück und möchte es erstmal stark vereinfachen und die Freie Linke von zwei ihrer, aus meiner Sicht, wesentlichen Kernthemen betrachten die sich schon aus ihrem Namen ableiten, weswegen mir dieser auch von Anfang an zusagte. Das erste habe ich gerade genannt Selbstbestimmung wofür das Wort „Freie“ im Namen steht und als zweites ein allgemeiner emanzipatorischer Anspruch, was in meinen Augen das wesentlichste Merkmal einer linken politischen Orientierung ist. Im Aufruf heißt es: “Es lebe die Freiheit und das Menschenrecht!“, was ich äquivalent verstehe. Gibt die Freie Linke diese beiden Kerninhalte auf oder vernachlässigt eines von beiden so führt sie sich selbst ad absurdum.

Ein weiteres wichtiges Thema des Aufrufs ist die Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung und da gehört nicht nur die damals staatlich forcierte Segregation von Maßnahmenbefürwortern und Maßnahmengegnern dazu sondern auch alle anderen den Herrschaftsverhältnissen dienenden Spaltungen, auch und gerade die in der Opposition, in der linken Opposition erst recht, dort ist das leider virulent. Große komplexe Gesellschaften sind differenziert, das ist ein unvermeidlicher Fakt, und es wäre eine linke Aufgabe sich dafür einzusetzen ein politisches System zu entwickeln wo diese unterschiedlichen Interessenlagen der vielfältigen Individuen und Gruppen auf friedlichem Wege ohne Unterdrückung ausbalanciert und somit in Einklang gebracht werden können.

In der Antike fand man für die Machtbegrenzung der Aristokratie und die allumfängliche Beteiligung aller Betroffenen an politischen Prozessen die Bezeichnung Demokratie. Die kapitalistische/neofeudalistische Realität bietet uns heute nur ein groteskes Spektakel mehr Schein als Wesensinhalt, sie nennen es nun „Unsere Demokratie“. Dieses „repräsentative“ Schauspiel hat natürlich mit Machtbegrenzung und maximaler Beteiligung der Betroffenen nichts zu tun sondern bildet nur die Verwaltung der Aristokratie, welcher auch das besitzanzeigende Fürwort gilt, damit deren Kämpfe nicht zu viele Kosten und Friktionen erzeugen. Aber machen wir uns nichts vor wenn diese Kosten steigen fallen die Hüllen und die hässliche Fratze kommt mal wieder ans Licht voller Geringschätzung für alles lebendige. Unsere Aufgabe wäre also die Beförderung ihres genauen Gegenteils, die direkte Demokratie. Ralf Burnicki beschreibt in seinem gleichnamigen Buch Anarchie als Direktdemokratie und was wenn die politische Herrschaftslosigkeit sich tatsächlich erst in gelungener direkter Demokratie verwirklicht. Keine Vertreter oder Führer gestalten dann Politik sondern alle Menschen gemeinsam da wo sie betroffen sind.

Im Aufruf heißt es weiter: “Wir sind Linke unterschiedlicher Strömungen“ und es finden sich Beschreibungen wie: gemeinsam, gleichwertig, breit, vereint und strömungsübergreifend. Woraus ich das Ziel ableite zu versuchen die Spaltung in der Linken zu überwinden und sei es erstmal nur die unter den linken Maßnahmengegnern des damaligen Coronaregimes. Es sind diese Spaltungen und die damit verbundenen Machtkämpfe innerhalb der Linken die Postlinke erzeugen. Und die Zeit der militärischen Corona-Operation hat gezeigt wie wenig Linke es derzeit gibt.

Und da es nun angesprochen ist, von der Ergreifung der Macht oder der Hegemonie einer bestimmten ideologischen Strömung ist im Aufruf der Freien Linken nirgends die Rede. Der aktuell diskutierte Programmentwurf von Bernd und Hanns verlässt somit die konstitutive Basis der Freien Linken und stellt in meinen Augen den Versuch dar sie in eine trotzkistische Linke (Sekte) zu verwandeln, also ein weiterer Versuch von Entrismus, übrigens auch nicht der erste in der Freien Linken. Dieser Entwurf ist ideologisch so einseitig durchtränkt, genauso wie er ignorant und intolerant ist, dass es keinen Sinn macht daran zu arbeiten, er ist aus meiner Sicht abzulehnen.

Die Corona-Operation haben die Herrschenden auslaufen lassen während andere militärische Operationen eskaliert wurden, in Deutschland kann man die Kontinuität der militärischen Entwicklung am Beispiel der Karriereentwicklung von verantwortlichen Offizieren nachzeichnen. Nun, das Thema Corona verlor in der Öffentlichkeit und in der FL an Bedeutung, und die Kriege, zuerst der in der Ukraine, beschäftigen uns von nun an. Frieden wurde jetzt unmittelbar und absolut richtig unser Hauptthema, obwohl es letztlich auch bei Corona um nichts anderes ging. Aber mit jedem dieser uns allen aufgezwungenen Konflikte kamen Spaltungsmomente in die Gesellschaft und somit auch in die Freie Linke. Und auch hier nimmt der Entwurf unserer leninistischen Freunde eine sehr zweifelhafte Position ein, nämlich (man Staune), gegen Pazifismus. In Zeiten wo Jugendliche anfangen sich gegen die staatliche militaristische Zerstörung ihrer Zukunft zu wehren und dabei sind z.B. mit den Schulstreikdemos aktiv zu werden soll in der FL gegen pazifistische Ideale argumentiert werden? Wirklich?

Das mit den Milizen geht wohl letztlich auf Gedanken von Engels zurück der, schon was von „öffentlichen Gewalten“ rumfantasierte (was eine eigene Betrachtung verdiente oder auch gerade nicht) und Lenin ins liebäugeln mit der Diktatur brachte, und außerdem habe ich das schon vor längerer Zeit an anderer Stelle mitkommentiert (https://wordsmith.social/freielinkeanarchisten/braucht-die-freie-linke-ein-programm). Hierzu jetzt nur so viel, ob und welcher Art freie Gesellschaften dereinst Militär benötigen muss von diesen in der Zukunft selbst entschieden werden und nicht von uns autoritätsgeschädigten staatlichen Leibeigenen unter nach wie vor aristokratischen Verhältnissen.

Wir sehen die Machtkämpfe der Herrschenden, eine Aristokratie die immer kämpfen muss, gegeneinander genauso wie gegen ihre Unterworfenen, und wir sehen Machtkämpfe in der Opposition, wo nicht wenige danach trachten selbst neue Aristokraten (sie nennen es manchmal Avantgarde) zu werden und die alten zu ersetzen. Ein trauriges Spektakel mit immer neuen Aufführungen, immer etwas anders inszeniert aber der Reim setzt sich fort und erhält immer neue Strophen. Ich persönlich bin in den letzten Jahren immer mehr davon überzeugt worden, dass auf Macht und Gewalt basierende Erlösungsvorstellungen zum scheitern verurteilt sind. Sie zwingen den Handelnden Mittel und Strukturen auf, die sie entweder vernichten oder letztlich in das verwandeln was sie eigentlich bekämpfen wollten. Auch jedem Parteiprojekt ist dieses Schicksal sicher, um so erfolgreicher desto schneller und deutlicher. Nur geübte Verweigerung kann hier meiner Einschätzung nach Abhilfe bringen. Nur Anti-Politik, nur Anti-Partei, nur Anti-Dienst also Streik kann etwas bewirken.

Anti-Politik ist kein Apolitizismus sondern im Gegenteil die weitestgehende Politisierung der Gesellschaft durch die Zielsetzung möglichst viele Menschen an einer neuen Form politischer Gestaltung zu beteiligen. Es ist ein Gegenmodell zum herrschenden aristokratischen Spektakel, welches unter dem Label „Politik“ firmiert. Keine Vertretung sondern direkte Demokratie durch direkte Beteiligung, deswegen ist das aristokratische Prinzip der Wahl auch abzulehnen und nicht auch noch die Propaganda der Parteienherrschaft zu ventilieren. Parteien sollten am besten abgeschafft werden, diese Sumpflöcher staatlicher Korruption sollten ausgetrocknet werden, oder wenigstens in ihrer Bedeutung auf das Verhältnis der in ihnen organisierten Mitglieder zur Gesamtbevölkerung beschränkt werden. Viel mehr könnte man sich mit direktdemokratischen Konzepten beschäftigen die Losverfahren anwenden und so wirklich jeden irgendwann in politische Verantwortung bringt und nicht immer nur Angehörige der akademischen Kaste, der Manager-Klasse, in welcher sich die Aristokratie den opportunistischen Nachwuchs für ihre Strukturen zieht. Oder imperative Mandate welche das Volk auch wieder aktiv entziehen kann aber eine politisch aktive Bevölkerung gefährdet immer die Herrschaft der wenigen, der Aristokratie, da sind sie lieber ungestört bei ihren Sauereien siehe z.B. Stichwort „Epstein-Class“, nichts anderes als organisierte Kriminalität.

Im trotzkistischen Entwurf wird das binäre Feindbild des Reformismus bedient dabei ist es natürlich idiotisch generell Reformen abzulehnen. Die Frage ist doch wem nützen Reformen und weisen sie in die richtige Richtung. Initiativen mit dem Ziel von Verfassungsreformen für mehr Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie sind zu unterstützen, sie sollten somit unser Anliegen sein, genauso wie Bestrebungen in Richtung Neutralität und Dezentralisierung im Sinne eines radikalen Regionalismus sollten unsere Unterstützung finden. Kurioserweise hat sich kürzlich sogar eine Partei (Losdemokratie) gegründet die sich als alleinigen politischen Inhalt die Implementierung von Losverfahren in die Politik zur Aufgabe gemacht hat und erklärt kein anderes Ziel zu verfolgen. Wie glaubwürdig das sein mag steht auf einem anderen Blatt. Wer also unbedingt wählen will, weil er die Illusion nicht aufgeben mag kann ja hier seine Stimme verschenken und so vielleicht wenigstens zur Popularisierung dieses Ansatzes beitragen.

Aber wenn die Freie Linke nicht die Vorfeldorganisation einer weiteren kommunistischen Partei wird, was kann sie dann sein? Ich meine wenn die Zersetzung noch nicht alle Potentiale für Neues untergraben hat, was mir gegenwärtig fragwürdig scheint. Nun dann könnte Sie eine Art Dachverband für linke Systemkritiker und freie Geister ohne Berührungsängste und politisch bipolare Zwangsneurosen sein. Gustav Landauer hoffte einst auf einen sozialistischen Bund, einen freiwilligen Bund der Freien Sozialisten im Bund freier Bünde deren gemeinsames Ziel die gemeinsame Arbeit an etwas Neuem ist. Etwas Neues? Das wäre revolutionär. Was hat sich schon geändert? Wir brauchen immer noch den Ort, den Raum, ein Verhältnis wo man Spaltungen überwinden kann, wo man in aller menschlichen Vielfalt an Sachfragen orientiert zusammen arbeiten kann und so die Möglichkeit schöpft Verständnis für einander zu entwickeln.

Ich denke die Vielfalt und Pluralität war eine der größten Stärken der Freien Linken, wer das für einen zu beseitigenden Makel hält hat auch keine Vorstellung von dem Neuen was es zu erbauen gilt. Nun Ideen sterben nicht so schnell und mancher Samen muss frostige karge Zeiten überstehen bis ein Pflänzchen draus wird, dann mickert dieses Pflänzchen auch noch eine zeitlang vor sich hin und manche schreiben es schon ab bevor es doch noch gedeiht und Früchte trägt.

Eine kleine Rezension zum Buch „Anarchie jetzt oder Nie!“ von Sylvie-Sophie Schindler.

von Dirkson

Endlich ein aktuelles Buch in dem sich eine Autorin fürsprechend Anarchie zum Thema und zur Herzensangelegenheit nimmt. Das allein tut gut und verdient Dank, ein bisschen Kritik kommt dann aber auch noch.

Die gewählte Form als essayistischer Versuch ist ein schlankes, kurzweilig zu lesendes Büchlein, dass man als gut zugänglich einstufen kann. Das ist gut, denn Anarchie verdient breite Aufmerksamkeit und Popularität, keine akademische Nische in verstaubten Bücherregalen. Popularität braucht sie auch, will sie Wirklichkeit werden, genauso wie die Menschheit Anarchie braucht, jetzt erst recht! Aber zurück zum beim Westend Verlag erschienenen Buch.

In erster Linie präsentiert sich in diesem ein großes antipolitisches Statement und das ist richtig und wichtig, denn wo sittenverwahrloste Eliten mit ihrer menschenverachtenden Gier nicht mal mehr bemüht sind ihre schändlichen Taten zu verbergen, die Liste diese aufzuzählen würde den Rahmen hier sprengen, und ihre politischen Helfershelfer die genauso skrupellos wie mörderisch danach trachten all dies zu legalisieren und ungesühnt zu lassen, wird offenbar was Politik tatsächlich ist, organisiertes Verbrechen.

Anti-Politik und Anarchie zeigt uns Frau Schindler gekonnt als Wegweiser einer Lösung, ja man möchte es Erlösung nennen. Nun ein wenig Kritik, ich beginne mit dem was schon im Titel zum Ausdruck kommt. „Anarchie jetzt!“ hätte doch völlig genügt, zwar wird es mit dem „… jetzt oder Nie!“ griffiger und das zur Tat aufrüttelnde ist sicher im besten Landauer’schen Sinne gut gemeint aber ich sehe nicht warum es für Anarchie je zu spät sein sollte so lange Menschlichkeit existiert. Ich denke Anarchie geht in jedem einzelnen immer, selbst wenn derjenige in einer Gefängniszelle säße, so lange man lebt und selbstständig zu denken, träumen und hoffen vermag. Als Gesellschaft und erst recht als Menschheit ist es schwieriger aber prinzipiell nicht anders, nur ist das auch schon seit sehr langem so und das erkennt ja auch Frau Schindler wie sie an anderen Stellen im Text zeigt z.B. wenn sie von athletischer Ausdauer und Leidensfähigkeit oder am Schluss des Buches von der offenen Zukunft schreibt.

Das Verneinen ist unerlässlich aber man darf sich darauf nicht beschränken. Wie Yin und Yang wird es sowieso erst durch eine ergänzende Bejahung rund. Und beidem eine Timeline zu setzen ergibt keinen Sinn auch nicht wenn man fürchtet dass sich die Verhältnisse verschlechtern. Das die affirmative Seite etwas zu kurz kommt ist eine Schwäche des Buches. Für mich ist Anarchie mit freiwilliger Sozialität verbunden, also der Vorstellung eines freiheitlichen Sozialismus, die unter Anarchisten eine lange Tradition hat. Da Frau Schindler ihren Anarchismus auch vom Sozialismus abzugrenzen sucht sei hier nur erwähnt, dass es sowohl vom Anarchismus wie auch vom Sozialismus recht unterschiedliche Vorstellungen gibt, der von ihr erwähnte Landauer z.B. sah sich meines Wissens Zeit seines Lebens als Sozialist und war Redakteur einer Zeitung die diese Bezeichnung als Namen trug.

In dem Text gibt es zahlreiche Zitate, Verweise und Gedanken von doch sehr verschiedenen Vor- und Mitdenkern, nur wenige davon dezidierte Anarchisten, neben dem oben bereits erwähnten Landauer fällt mir noch Graeber ein, die ich beide schätze und auch jedem interessierten ans Leserherz lege. Ob Nietzsche oder Sloterdijk als Fürsprecher für die Anarchie taugen muss wohl jeder Leser für sich entscheiden, ich habe bei beiden meine Zweifel, aber das ist sicher auch eine Frage des persönlichen Geschmacks oder des Milieuhintergrundes das einen prägt. Nietzsches Uneindeutigkeit macht es mir bisher schwer ihn anarchistisch zu lesen. Neben anderen wird auch noch auf Mausfeld Bezug genommen womit wir im aktuellen Zeitgeschehen im Umfeld der neuen Demokratie- und Friedensbewegung angekommen sind und der, wenn es um Kritik an staatlicher bzw. elitärer Machtentgrenzung geht, eine hervorragende Referenz ist.

Das Buch ist kein großes Anarchie Erklärbuch, dass will es auch nicht sein. Wer sowas sucht ist bei dem im Buch erwähnten Standardwerk von Horst Stowasser besser aufgehoben. Nein es ist vielmehr aus einer sehr persönlichen Perspektive geschrieben, das ist Stärke und Schwäche zu gleich, einerseits macht es das Buch interessant weil man so von Blickwinkeln und Schwerpunkten erfährt die einem vielleicht neu oder ungewohnt sind, man lernt so auch die Autorin etwas kennen. Andererseits vermisst man auch ganz viel, aber das wiederum fordert zum weiterdenken auf.

Im vorletzten Abschnitt spricht Frau Schindler das Problem der Rädelsführerschaft an, den Begriff verwende ich hier mal ganz bewusst, mit dem nun mal alle konfrontiert sind die Texte veröffentlichen oder eine Rede halten und das gilt eben auch für Autoren wie sie. Ein Problem das mehrere Facetten hat und aufmerksam bedacht sein will. Das Anarchie mit Führerschaft als Prinzip nicht in Einklang zu bringen ist sollte klar sein. Auch deutet sie hier viele Aspekte an, die der Leser zuvor vermisst haben mag, was die vorangegangene Kritik mildert und so fällt es nun doch schwerer die Autorin in eine Schublade zu stecken.

Ich empfand dieses gut geschriebene Buch, beim lesen und auch noch danach, vielleicht gerade wegen der oben beschriebenen Stärken und Schwächen, als Bereicherung und kann eine Leseempfehlung aussprechen.

Die Kundgebung der Freien Linken Berlin/Brandenburg am Kampftag der Arbeiter auf dem Nettelbeckplatz in Berlin 2025.

ein Bericht von Dirkson

Es war wieder Kampftag der Arbeiter und Arbeiterinnen und auch in diesem Jahr riefen wir Freie Linke zu einer Kundgebung auf. Diesmal auf dem Nettelbeckplatz, wo es für die versammelten Demonstranten tolle Musik und verschiedene Redebeiträge auf der Bühne zu hören gab. Neben den Freien Linken beteiligten sich auch noch die Partei Die Basis und der Verband der Freidenker mit eigenen Infoständen und einen Büchertisch gab es auch.

135 Jahre nach dem ersten „1.Mai“, der jährlichen Demonstration der Arbeiter zum Gedenken an den Kampf für den Achtstundentag, sowie zur Erinnerung an das Blutbad am Chicagoer Haymarket Square am 1.Mai 1886, ist der Mensch immer noch ein geknechtetes, erniedrigtes Wesen. Der Kampf um herrschaftsfreie, gerechte Lebensverhältnisse für alle Menschen steht immer noch auf der Tagesordnung, weswegen weltweit an diesem Tag Menschen auf die Straße gehen.

Auch wenn uns heute hier keine Sozialistengesetze das Demonstrieren verbieten und wir nicht mehr, weil unsere Fahnen verboten sind, nur die rote Nelke zum Erkennen im Knopfloch tragen, sind Unterdrückung durch Staat und kapitalistische Ausbeutung in all ihren gewaltförmigen Ausprägungen nach wie vor gegenwärtig. Zumal der deutsche Staat, wie wir spätestens seit den „Maßnahmen“ während des Corona-Regimes wissen, zu immer autoritäreren Mitteln greift. Delegitimierung ist jetzt Grund für staatliche Verfolgung dabei wäre es die Pflicht jedes kritischen Bürgers, aber mit echter Kritik kann die politische Elite scheinbar nicht mehr anders umgehen. Auch heute drücken und bedrohen die Herrschenden uns arbeitende Menschen mit Armut, Krieg und Zerstörung, was auch schon lange Themen der Arbeiterkampftage sind und auch auf der Kundgebung der Freien Linken auf dem Nettelbeckplatz im Zentrum standen.

Die diesjährigen Slogans im Aufruf zur 1.Mai Demo der Freien Linken, „Für ein soziales Deutschland!“ und „Für ein neutrales Deutschland!“, sorgten schon im Vorfeld für kontroverse Diskussionen auch innerhalb der FL. Der erste Teil wurde in der Kritik oft auf ein „für Deutschland“ reduziert und sorgte so für Anti-Deutsche Beißreflexe, so nenn ich es mal, dabei ist das unterschlagene Wort bei dem durch kostspielige Kriegsertüchtigung verschuldeten zu erwartenden Kahlschlag im Sozialem der Punkt um den es geht. Wir wollen keine Kriegsertüchtigung sondern eine soziale Gesellschaft. Nun ja, ich für meinen Teil kann mit Anti-Deutschtümelei genauso wenig anfangen wie mit ihrem Gegenstück. Beim zweiten Teil wo es um die Neutralität Deutschlands ging wird es schwieriger, hier gibt es Argumente für und gegen eine Unterstützung dieser Forderung, wo man sicher abendfüllend Argumente nennen und abwiegen kann, ich will hier nur die Kampagne (https://deutschlandNEUTRAL.de) als Quelle nennen, die sich Interessierte anschauen sollten. Möge jeder für sich entscheiden wie er sich dazu verhält. Ich sehe in der Forderung nach Neutralität Potential den Kriegstreibern den Wind aus den Segeln zu nehmen, man denke nur an die im Aufbau befindliche deutsche Panzerbrigade in Litauen, und die Loslösung bzw. Auflösung von US Besatzung sowie vom Kriegsbündnis NA(H)TO(D) sind sowieso unser Ziel. Für mich stimmt hier die Richtung und wenn es hilft eine Vorstellung von Friedensfähigkeit in mehr Köpfe der Menschen zu bekommen bin ich dabei. Auf dem Weg zu dezentralen Strukturen und einer föderal vernetzten Welt scheint mir die militärische Neutralität Deutschlands ein machbarer Zwischenschritt zu sein. Aber nun zurück zum 1.Mai und der Demo.

Nach der Eröffnung der Demo gab der Journalist Stephan Ossenkopp mit seinem Plädoyer für Völkerfreundschaft den Auftakt und sprach sich für die Hinwendung zu einer gerechten Weltordnung aus, die die Interessen aller Regionen der Welt anerkennt und nach Wegen sucht diese friedlich auszubalancieren. So sagte er „dieses verquere Weltbild – Demokratien gegen Autokratien – ist eine absurde und gefährliche Fiktion“ statt dessen fordert er an Wegen zur friedlichen Koexistenz zu arbeiten und sieht deutsche Interessen besser in wirtschaftlicher Kooperation bei den BRICS-Staaten und nicht in unterwürfiger Dienstbarkeit unter Führung der USA z.B. in dem aggressiven Kriegsbündniss des imperialistischen Westens, der NATO.

Danach begeisterten Sinclair und Tatjana mit berührend schöner Musik auch mit russischen Texten für eine friedvolle Welt.

Gabriele Gysi sprach über Krieg, den alltäglichen, den nach innen und den nach außen, die Opfer, die in all ihrer Verschiedenheit immer eins gemeinsam haben, sie sind die die Unten sind, und die Täter früher wie heute immer Oben, und deren menschenverachtende Herrschsucht und Gier so grenzenlos scheint.

Bernd von den Freien Linken sprach zu Sozialabbau und der grassierenden Kriegstreiberei mit bisher unvorstellbarer Verschuldung, die man dreister Weise lieber Sondervermögen zu nennen pflegt, die neben der verbrecherischen Kriegsvorbereitung eine sagenhafte Umverteilung von Unten nach Oben ermöglicht, somit die Reichen noch reicher macht und die Perspektiven der Armen immer mehr eingeschränkt. Außerdem thematisierte er die sowieso immer schamloser werdenden Lügen in der etablierten Politik und auch in der sogenannten parlamentarischen Opposition.

Florian D. Pfaff sprach zum Irrsinn der Kriegstreiber, den Extremisten in der herrschenden Politik und ihren Propaganda-Organen in den Mainstream Medien. Er zeigte auf warum die Bundeswehr für ihn ein bewaffneter Haufen ist und die NATO eben kein Verteidigungsbündnis sondern als eine Verbrecherorganisation anzusehen ist.

Malte bot nachdenkliche Lieder von oder frei nach Georg Kreisler und informierte über die unverschämten aktuellen Politikaufführungen in Richtung Kriegsertüchtigung, außerdem informierte er über eine angestrebte Initiative der Berliner Kommunarden zu Volksentscheiden.

Selale sprach über Zwischenmenschlichkeit und Frieden in türkischer und deutscher Sprache und versuchte so türkisch sprechende Menschen im Umfeld der Kundgebung anzusprechen und teilhaben zu lassen.

Der Chor der freien Stimmen sang Widerstandslieder bei denen die Teilnehmenden einstimmen konnten.

Dieter Bonitz sprach über Selbstermächtigung in Zeiten aggressiver Propaganda und die Möglichkeiten basisdemokratischer Entwicklungen und Chancen in und mit der Partei die Basis.

Hans Graaf sprach von „bedenklichen Zeiten“ in denen wir leben, er thematisierte das Versagen des DGBs und anderer reformistischer Kräfte wie die Partei Die Linke. Er hob, wie man es von ihm kennt, die Notwendigkeit einer neuen noch zu schaffenden antikapitalistischen Partei, die sich ganz real den Interessen der Arbeiterklasse und nicht der woken Mittelschicht verpflichtet, hervor.

Der Gewerkschafter und Freier Linker Dexter Gordon sprach über die von einstiegen Nazi-Juristen geprägte Rechtsprechung zum Streikrecht im Nazi-Nachfolgestaat BRD und er berichtete über seine Streikerfahrungen in einem Berufszweig mit überwiegend weiblichen Beschäftigten. Er thematisierte eine Klassengesellschaft bei der gerade im Gesundheitswesen mit den Chef- und Oberärzten Oben und den Krankenschwestern, Pflegern und Hilfskräften Unten, nicht nur Einkommen sondern auch Arbeitsbelastungen ungleich verteilt sind. Er hofft und setzt auf die Frauen und weiß, dass Frauen schon immer eine wichtige Rolle bei emanzipatorischen Kämpfen inne hatten.

Als letzter Redner sprach Hans über Inflation, die Finanzkrisen der letzten Jahre und die enormen Vermögenszuwächse der Superreichen in letzter Zeit und wie das alles miteinander zusammenhängt. Er konstatierte die Übernahme des Kanzleramtes durch den Finanzgiganten Black Rock mit der Person Friedrich Merz, wies aber auch darauf hin, dass die Finanzmafia auch vorher schon nah an der Regierung dran war. Er mahnte den Zusammenhang von Schuldenzyklen und Kriegen an und forderte dazu auf, diesem verhängnisvollen Weg entgegenzuwirken und sieht die Zukunft in der Überwindung bestehender Eigentumsverhältnisse und direkter Demokratie.

Das sonnige Wetter war ja an diesem 1.Mai mit den Arbeiterinnen und selbst die erstaunlich zahlreich aufgefahrenen Polizistinnen um den Nettelbeckplatz schienen entspannt und gut drauf zu sein, jedenfalls habe ich nicht mitbekommen das es Probleme mit ihnen gegeben hätte, gut so, wir haben auch schon anderes erlebt. Und so konnte die durchweg gelungene Veranstaltung annähernd wie geplant beendet werden.

Ich habe die Veranstaltung auch wenn es vielfach um ernste Themen und reale Bedrohungen ging unterm Strich sehr positiv wahrgenommen. Zum Schluss bleibt mir noch den Organisatoren und Helfern zu danken. Die Freie Linke hat gezeigt, dass sie eine lebendige Gruppierung ist und ein echtes außerparlamentarisches Angebot ohne Parteipolitik für linke Selbstdenker und Friedensbewegte bietet.

Die Freie Linke ist eine Mitmachbewegung, sei dabei, gemeinsam sind wir stark. Für eine friedliche und gerechte Gesellschaft gegen Militarismus, Krieg und Unterdrückung!

von Dirkson

Am 3.Oktober wollte die Friedensbewegung ein Zeichen gegen Kriege und Militarisierung setzen, Zehntausende kamen und die Freie Linke war natürlich mit dabei. Unter dem Titel „Nein zu Krieg und Hochrüstung! Ja zu Frieden und internationaler Solidarität.“ rief die Initiative „Nie wieder Krieg – die Waffen nieder“ zu einer bundesweiten Friedensdemonstration auf (https://nie-wieder-krieg.org/).

Wir leben in gefährlichen Zeiten, denn die Herrschenden wollen Krieg, mal wieder, muss man leider sagen. Für viel zu viele ist er schon eine furchtbare Realität. Die laufenden Kriege in der Ukraine und in Gaza, wo vor den Augen der Welt auch mit der Unterstützung des deutschen Staates ein Genozid an der palästinensischen Bevölkerung verübt wird, zeigen die grauenhaften Schrecken. Dieser Wahnsinn muss aufhören, aber die Eliten eskalieren, sie rüsten zu noch mehr Krieg und Gewalt. Die Finanzaristokratie hält dabei die Taschen auf und sackt gierig die bluttriefenden Profite ein. Mal wieder ist der Kapitalismus dabei die Probleme, welche Elitenherrschaft und die parasitäre Lebensweise der Eigentümerklasse erzeugen, mit Krieg und Zerstörung zu überlagern damit die Menschen bloß nicht das Momentum finden, um die ursächlichen Verhältnisse zu ändern. Die US geführte NATO, ein Kriegsbündnis, ist das Instrument, mit dem sie die westliche und allen voran die US-Vorherrschaft zu sichern suchen und aufkommende Rivalen klein halten wollen. Und dafür streben Kriegstreiber wie Pistolius von der Asozialundemokratischen Partei oder Miesewetter von der Unchristlichen Union danach Deutschland kriegstüchtig zu machen. Hierfür ist, um Kapazitäten freizumachen, die zivile Wirtschaft platt zu machen, wer kann verlagert schon seine Produktionsstätten zum großen Bruder jenseits des Atlantiks, und die Rüstungskonzerne groß zu machen. Friedenspflicht? Das war einmal, zumindest wenn es nach dem Willen der transatlantisch ausgerichteten Eliten geht, heute wird in Kinderbüchern und Schulen für die Bundeswehr geworben. So bereitet man Kriege vor.

Wir aber machen da nicht mit! Der imperialistischen Einheitspartei muss ein Strich durch ihre misanthrope Rechnung gemacht werden. Gestrichen, das Volk will eine lebenswerte und gerechte Zukunft!

Deswegen war es uns Freien Linken wichtig mit unserem Transparent (NATO raus – raus aus der NATO) ein deutliches Zeichen gegen die NATO, Deutschlands Mitgliedschaft und ihrer Präsens in Deutschland zu setzen. Zu viele gehen auf Kuschelkurs und biedern sich den herrschenden Strukturen und ihren medialen Einpeitschern an. Und dass, obwohl die deutsche Regierung auf Geheiß Washingtons vorhat, neue atomar bestückbare US-Raketen in unserer Heimat zu stationieren und somit alle in deren Umfeld der Gefahr eines Präventivschlages aussetzt.

Los ging es für uns am Breitscheidplatz, wo dieser Teil des Sternenmarsches zur Goldelse, wie die Berliner die Siegessäule auch nennen, startete. Ob der große Stern um die Siegessäule als Symbol für die gewaltsame nationalstaatliche Einigung Deutschlands durch die Strategie von „Blut und Eisen“ ein guter Ort für eine Friedenskundgebung ist dürfte für alle die ein Ideal von freiwilligen Zusammenschlüssen in sich tragen eher zweifelhaft sein. Man kann die Goldelse aber auch als Mahnmal betrachten, denn damals wie heute sind es überwiegend die kleinen Leute, die für die Interessen und Ziele der Obrigkeit bluten und sterben.

Zu Tausenden zogen wir Friedensbewegten mit kämpferischer Stimmung durch leider hier nicht sonderlich belebte Straßen, das Straßenbild war auf der Route ja mehr von Bürogebäuden geprägt. Das kann man sicher auch besser anders machen. Es wurden Slogans wie „Frieden schaffen ohne Waffen“, „Völkerverständigung statt Völkermord“ und der unverzichtbare „Raus aus der NATO – NATO raus“ skandiert. Die Friedensgänger waren bunt gemischt wie auch ihre Fahnen und Transparente, Vielfalt in Einheit, es war gut zu sehen, wie Menschen die sonst sicher in vielen Punkten unterschiedliche Ansichten haben bei einem so wichtigen Thema zusammen gehen und stehen.

Am großen Stern angekommen verteilten sich die Demonstranten rund um die Goldelse und auf der bereitstehenden Bühne begannen die Reden der angekündigten Politprominenz. Wen das interessiert, der möge sich bitte auf den einschlägigen Plattformen entsprechende Mitschnitte suchen und sich selbst eine Meinung bilden. Nur so viel, der (A)Sozialdemokrat Stegner wurde auch von unserer Seite für seinen Versuch sich an die Friedensbewegung ranzuwanzen und die kriegsverlängernde Unterstützung des herrschenden Regimes in der Ukraine mit Waffen und Geld zu rechtfertigen, ausgebuht. Grundsätzlich wird so manchen die Frage gekommen sein, ob man diese wichtigtuerischen Politiker überhaupt braucht, jedenfalls leerte sich der Platz zusehends bevor die Veranstaltung beendet wurde. Ob es am bescheidenen Wetter lag oder an den Rednern mag jeder für sich entschieden haben, auch wir warteten das offizielle Ende nicht ab.

Schlussendlich ist es gut, dass sich in der Friedensbewegung was tut und ja es muss auch noch mehr werden, wir Freie Linke werden für Frieden und Freiheit dabei sein.